VOL. 11, SERIES A

Vol. 11. Hermann Boeschenstein. Dreimal Stiftungsfest oder der Zuerihegel. Eine Posse. Ed. and intr. by Rodney Symington. 1988. 90 pages. ISBN 0-921415-19-2. $7.00 (plus shipping).
 
 
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Vorwort auf Deutsch

From the preface by R. Symington

"This play by Hermann Boeschenstein is the first in a planned series of publications from his estate. ...

... Although Hermann Böschenstein (1900-1982) was chiefly known in his lifetime as one of Canada's most prestigious and productive scholars of German literature, his life is framed by two periods of creative endeavour which demonstrate that it could very well have taken a completely different course. In fact, his first inclinations and efforts were directed towards the creative sphere, ...

... Böschenstein was one of the pioneers in both the study and creation of German-Canadian literature. His strong advocacy of German-Canadian writing as an identifiable entity worthy of close attention was revealed in the very first sentence of a speech he gave in 1976 at the first Symposium on German-Canadian Studies: 'We believe that this literature does exist, despite the fact that it may be difficult to define its characteristics.' As if to prove his point, he continued thereafter to be not just a vigorous supporter of the study of German-Canadian literature, but also one of the major contemporary representatives of it. ...

... In Böschenstein's History of Modern German Literature ..., he remarks on the "revival of popular plays" in the German-language theatre during the 1960's and 1970's. His own folk plays (five of them were left behind in manuscript) demonstrate their author's own interest in this old form. But they also differ in some important respects from many of the "modern" folk plays that have proven successful on the German stage in recent years. Whereas the folk play has become for many authors ... a vehicle for social comment and the critical portrayal of the manners and mores of various segments of society, Böschenstein's plays owe more to the nineteenth-century Swiss tradition of gentle satire .... Böschenstein's characters are portrayed both with affection and humour, but there is no attempt on the part of the author to pillory human foibles or to castigate unethical behaviour or attitudes. On the other hand, many of the lesser human frailties, such as pomposity, bragging and smugness, are depicted with an implied criticism that never becomes harsh. The three acts of the play take place in 1912, 1937 and 1952 respectively, and the focal point of the action is the district association ... which, as each act opens, is planning its annual celebration. In each act the search for a suitable keynote speaker ... -- by no means an easy matter in a small community of amateurs -- provides the initial comedic impulse. ...

... The hilarious events of Dreimal Stiftungsfest no doubt owe much of their impulse to his own personal experiences and anxieties on similar occasions in Canada. ...

... Böschenstein's view of humanity is coloured by a tolerance that was gained not just by living a long life, but by having witnessed human beings many times under great stress -- as for example during the Second World War when he worked with prisoners of war and internees in Canada. Human weakness and frailty are not necessarily forgiven, but they are recognized as a constituent of life that will probably never be eradicated. It is clear from all of Böschenstein's writings, both academic and creative, that he believes in the ultimate victory of humanistic ideas and feelings. Thus harsh criticism and sarcasm are not to be found in his works, for they are non-productive and negative. What we gain from reading Böschenstein's works is a positive appreciation of the lasting values in life and of the long tradition of civilizing humanism in history and literature. Like many of his Swiss predecessors, such as Pestalozzi, Keller and Gotthelf, Böschenstein has a strong didactic streak, a fact of which he is himself aware and at which he also pokes fun! Although his folk plays were primarily designed to be performed at small local theatres with perhaps an amateur cast of actors, they all contain unmistakable pedagogical elements that set them above mere entertainment."
 

"Dieses Stück von Hermann Böschenstein erscheint als das erste in einer Reihe von Veröffentlichungen aus seinem Machlaß. ...

Hermann Böschenstein (1900-1982) war zu seinen Lebzeiten hauptsächlich als einer der hervorragendsten Germanisten in Kanada bekannt. Doch sowohl am Anfang als auch am Ende seines Lebens hat er sich auch als Schriftsteller hervorgetan. Bevor er überhaupt an eine akademische Laufbahn dachte, war es sein Ziel gewesen, entweder Romancier zu werden oder vielleicht am Theater tätig zu sein. ...

... Hermann Böschenstein gilt als einer, der hier Pionierarbeit geleistet hat; er hat nicht nur das Studium der deutschkanadischen Literatur gefördert, sondern er hat selbst Wichtiges zu dieser Literatur beigetragen. Das erste Symposium über deutsch-kanadische Literatur 1976 in Montreal stellte einen etwas zaghaften Ansatz zum Studium und zur Förderung der deutsch-kanadischen Literatur dar. Aber Böschenstein hat seinen eigenen, durchaus optimistischen Beitrag zu dieser Veranstaltung mit folgenden Worten eingeleitet -- Worte, die aus der heutigen Perspektive prophetisch klingen: 'Wir glauben, daß es diese Literatur gibt, so schwer es fällt, ihre Merkmale zu bestimmen.' Anhand seiner eigenen Werke kann man tatsächlich einige dieser Merkmale festellen. ...

... In seiner Geschichte der Modernen Deutschen Literatur ... unterstreicht Böschenstein das Wiederaufblühen des Volksstückes als literarische Gattung im deutschsprachigen Theater der sechziger und siebziger Jahre. Seine eigenen Volksstücke (fünf an der Zahl) bezeugen gleichfalls sowohl das Interesse ihres Verfassers an dieser traditionellen Form als auch seinen Glauben an den Wert und die Vitalität des Volksstückes.

Aber Böschensteins Volksstücke unterscheiden sich im wesentlichen von vielen der 'modernen Volksstücke,' die in letzter Zeit erfolgreich geworden sind. Indem für viele Autoren ... das Volksstück zu einem Mittel für die gesellschaftskritische Darstellung der Sitten und Gebräuche verschiedener heutiger Gruppen und Klassen geworden ist, verdanken Böschensteins Volksstücke ihre Anliegen der schweizerischen Tradition der sanften Satire aus dem neunzehnten Jahrhundert ... Die Personen in seinen Volksstücken werden -- genau wie in seinen sonstigen Werken -- mit Verständnis und Humor dargestellt. Auch hier wird kein Versuch gemacht, unethische Handlungen oder schwere Vergehen zu veruteilen. Es handelt sich hier eher um kleinere menschliche Schwächen, wie Angebertum, Prahlerei und Habgier, die kritisiert werden.

Die drei Akte von Dreimal Stiftungsfest spielen in den Jahren 1912, 1937 und 1952. Brennpunkt der Handlung ist der Quartierverein in einem schweizerischen Dorf. Am Anfang des jeweiligen Aktes trifft dieser Verein gerade Vorbereitungen auf die Jahresfeier. In jedem Akt ergeben sich Schwierigkeiten bei der Wahl eines Festredners (keine leichte Sache in einem Dorf), was der Handlung den anfänglichen komischen Anstoß gibt. ...

... Zweifelsohne verdanken die humoristische Darstellung der verschiedenen Vorbereitungen zu den Festreden und die Festreden selber viel Böschensteins eigenen Erfahrungen....

... Böschensteins tolerante Weltanschauung wurde nicht nur durch die mannigfaltigen Erlebnisse seines langen Lebens bedingt, sondern in erster Linie durch seine Erfahrungen mit Menschen in Krisenzeiten -- wie zum Beispiel im Zweiten Weltkrieg, als er mit Kriegsgefangene und Internierte in Kanada betreute. Menschliche Schwächen und Laster werden in seinen Werken nicht ignoriert, aber er erkennt sie als unumgängliche Komponenten des Lebens, die man wahrscheinlich nie ausrotten wird. Aus Böschensteins vielen Schriften, sowohl den kritischen als auch den literarischen, wird klar, daß er nie die Hoffnung auf den endgültigen Sieg der humanistischen Prinzipien aufgegeben hat. Daher findet man in seinen Werken weder harte Urteile noch Sarkasmus. Wenn wir Böschensteins Werke lesen, gewinnen wir daraus ein positives Verständnis für die lange Tradition des zivilisierenden Humanismus in Geschichte und Literatur. Wie soviele seiner schweizerischen Landsleute, wie z.B. Pestalozzi, Keller und Gotthelf, hatte auch Böschenstein einen starken didaktischen Zug -- eine Eigenschaft, über die er sich selber lustig machte! Obwohl er seine Volksstücke hauptsächlich für Dorfgemeinden und kleinere Amateurtheater geschrieben hat, enthalten sie doch unverkennbare pädagogische Elemente, die sie über das Niveau der bloßen Unterhaltung heben."
 
 
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